Donnerstag, 24. September 2020

Urlaub in 2020 - unter erschwerten Bedingungen

Ich habe eine Maskenbefreiung mit Attest. Normaler Urlaub ist damit in der aktuellen Zeit fast unmöglich.

Unser seit letztem Jahr gebuchter Urlaub im Mai an einem oberbayerischen See wurde eine Woche vor Urlaubsbeginn vom Reiseveranstalter abgesagt – wegen der bayerischen Maßnahmen. Ihn trifft keine Schuld, Geld problemlos zurück, aber die Urlaubszeit war verplant.

Für Ende Juli haben wir kurzfristig ein Urlaubsziel an der Mosel gefunden, gebucht und bezahlt. Bei der Übergabe sollte Maske getragen werden, ich habe auf meine Maskenbefreiung hingewiesen – zack, Urlaub vom Vermieter storniert und Geld zurück. Kann man irgendwie verstehen, an der Mosel machen ja nur alte Leute, also eine Risikogruppe, Urlaub 😉.

Wir fanden dann im Kaiserstuhl eine schöne Ferienwohnung, über Masken wurde überhaupt nicht gesprochen, alles locker. In der Umgebung und in Freiburg im Freien und den Biergärten keinerlei Einschränkungen, keine Radfahrer mit Maske, beim Kellner saß sie eher schlecht, lediglich in den Läden war die Maske gerne gesehen. Schöner Urlaub.

Und dann List auf Sylt Ende August. Der Höhepunkt des Jahres, den wir im Januar gebucht haben, also zu normalen Zeiten.

Schleswig-Holstein sperrt ja gerne Menschen aus selbsterklärten Risikogebieten kurzfristig aus, wenn kein PCR-Test nicht älter als 48 Stunden vorliegt. So sieht es die Verordnung vor. Unser Vermieter, darauf angesprochen, sagt, nein, auch mit dem negativen PCR-Test dürften Sie im Risikofall nicht anreisen. Diese Aussage ist natürlich verordnungswidrig. Er redet sich um Kopf und Kragen. Egal. Angst (vor den anderen Gastgebern!?).

Maskenbefreiung? Oh Gott. Vorab Attest vorlegen, sonst bekommen Sie den Schlüssel nicht. Ich habe das Attest per Mail zugesendet, um die Situation zu entspannen und konnte dann den Schlüssel an der mit Paletten und Flatterband im Baustellenstil umgebauten Empfangsstation abholen. Ein Hygienekonzept ist das keines, zudem wurde es im Gebäude vollkommen hanebüchen umgesetzt. Ein toller Empfang auf der ansonsten atemberaubend schönen Insel.

Vorab habe ich mich mit meinem Lieblingsgastronomen („nördlichste Fischbude“) abgestimmt, ob es Einschränkungen ohne Maske gibt, worauf er mich für die Zeit von 17.30 bis 21.00 Uhr zur „persona non grata“ erklärt hat. Wir sind dann kein einziges Mal hingegangen.

Einkehren ist sowieso schwierig, überall Schlange stehen zur Personalienfeststellung, Schlange stehen am Eisladen, weil schlecht organisiert. Wir sind dann nirgends eingekehrt.

Beim Einkaufen im Bio-Markt raunzt mich ein Rentnerkunde wegen der fehlenden Maske an, an der Kasse fragt man mich, ob ich mein Attest schon vorgezeigt habe. Aha, soll ich die Sachen also auf dem Band liegen lassen?

Sehr positive Ausnahme ist der Getränkemarkt M. in Wenningstedt, hier wurde ich angesprochen, auf die Erklärung meinerseits, dass ich ein Attest habe, sagte man Danke, bitte kaufen Sie ein, wir werden Sie nicht mehr behelligen. Das war sehr angenehm.

Toll finde ich, dass die Verkäufer in Schleswig-Holstein im Laden keine Masken tragen müssen, egal, ob hinter einer Abtrennung oder nicht. Für sie ist es freiwillig. Aber nicht für den Kunden. Irgendwie ist das dann doch eine verkehrte Welt.

Der Urlaub wurde zu einer Zeit gebucht, wo man die Hoffnung auf schöne Erholung hatte. Zwischenzeitlich haben sich die Umstände geändert und man bekommt etwas ganz anderes geliefert. Die Menschen sind angsterfüllt und aggressiv. Man muss da durch, denn der Urlaub war bezahlt und eine Stornierungsmöglichkeit aufgrund der geänderten Umstände gibt es nicht. Mit Gastfreundschaft hat das nur wenig zu tun. Wir haben das nicht durchgehalten und sind dann zwei Tage vorzeitig abgereist.

Die Kurdirektorin und den Bürgermeister, die ich darauf angesprochen habe, interessiert das nicht. Sie sehen wohl nur noch die teuerste Hotelbaustelle Europas vor Ort und die dortigen Gäste bekommen später von „der Welt da draußen“ sicher nichts mit.

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